Whatnot – Steuerleitfaden – Großbritannien Whatnot – Steuerleitfaden – Großbritannien

Whatnot – Steuerleitfaden – Großbritannien

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Dieser Leitfaden wurde von einer unabhängigen Anwaltskanzlei erstellt.  Jede Situation ist einzigartig – ob es um Käufer*innen und Verkäufer*innen oder ihre jeweiligen steuerlichen Umstände geht. Die unten genannten Informationen sind nicht als Steuerberatung zu verstehen, sondern als allgemeine Übersicht über die einschlägigen Steuervorschriften. Whatnot bietet keine Steuerberatung für individuelle Situationen an. Wir empfehlen dir daher dringend, dich für eine maßgeschneiderte Beratung an eine*n professionelle*n Steuerberater*in zu wenden.

Januar 2026

 

GROSSBRITANNIEN – STEUERLICHE ÜBERLEGUNGEN FÜR WHATNOT-VERKÄUFER*INNEN MIT WOHNSITZ IN GROSSBRITANNIEN

Wenn du ein*e Verkäufer*in mit Sitz in Großbritannien bist und Artikel über Whatnot verkaufen möchtest, sollten wir auch einmal über die Steuern sprechen.

Denn wenn es um Steuern geht, kann die Sache knifflig werden. Deshalb solltest du über deine steuerlichen Pflichten auf dem Laufenden bleiben und dabei stets die Vorschriften einhalten. Die rechtzeitige Vorbereitung, Einreichung und Zahlung von Steuern liegt gemäß den Nutzungsbedingungen von Whatnot in deiner Verantwortung.

Als britische*r Verkäufer*in solltest du über die für dich geltenden Steuern im Bilde sein, wie zum Beispiel:

  • Mehrwertsteuer (MwSt.)
  • Einkommensteuer
  • Sozialversicherungsbeiträge (NICs)
  • Kapitalertragsteuer (CGT)

Nur zur Info: In diesem Leitfaden geht es um die Einkommensteuer, NICs, CGT und Mehrwertsteuer für Verkäufer*innen aus Großbritannien. Wenn du von außerhalb von Großbritannien an britische Verbraucher*innen verkaufst, sieht die Situation anders aus. Hier findest du unsere länderspezifischen Leitfäden für deutsche und französische Verkäufer*innen.

Die Informationen in diesem Leitfaden erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keinesfalls eine Rechts- oder Steuerberatung dar. Wenn du dir nicht sicher bist, welche Steuervorschriften in deinem Land gelten, solltest du dich bei deinen Steuerbehörden erkundigen oder dich für eine maßgeschneiderte Beratung an eine*n professionelle*n Steuerberater*in wenden. Whatnot kann dir bei Fragen zu diesem Leitfaden nicht weiterhelfen. Dieser ist lediglich als Ausgangspunkt gedacht.

Bitte beachte, dass wir diese Informationen nicht fortlaufend aktualisieren. Daher solltest du am besten selbst überprüfen, ob es in letzter Zeit Änderungen bei den Gesetzen und Verfahren gegeben hat.

Whatnot ist möglicherweise verpflichtet, deine über die Plattform erzielten Einnahmen gemäß den DAC7-Regeln der EU an die Steuerbehörden zu melden. Mehr dazu findest du hier.

Mehrwertsteuer

Die Mehrwertsteuer kann knifflig sein. Daher solltest du sicherstellen, dass du die Vorschriften verstehst, die für deine spezielle Situation gelten.

Beim Verkauf und Versand von Waren variieren die Mehrwertsteuervorschriften je nach Bestimmungsort:

  • Kund*innen in Großbritannien (außer Nordirland): Es gelten die britischen Mehrwertsteuervorschriften. 
  • Kund*innen in Nordirland: Im Rahmen des Nordirland-Protokolls gelten andere Mehrwertsteuervorschriften.  
  • Kund*innen außerhalb Großbritanniens: Es gelten die Mehrwertsteuervorschriften des jeweiligen Landes.

VERKAUF AN KUND*INNEN In GROSSBRITANNIEN (AUSSER NORDIRLAND)

Wenn du regelmäßig Waren oder Dienstleistungen in Großbritannien anbietest (nicht nur einmalig), musst du deinen Käufer*innen möglicherweise die Mehrwertsteuer in Rechnung stellen und diese dann an die britischen Steuerbehörden abführen.

Wenn du also Artikel auf der Whatnot-Plattform verkaufst, musst du möglicherweise die britische Mehrwertsteuer in den Artikelpreis einbeziehen und diesen Mehrwertsteuerbetrag an die HMRC zahlen. Als Verkäufer*in solltest du klären, ob du britische Mehrwertsteuer auf deine Verkäufe erheben musst.  

Muss ich britischen Käufer*innen Mehrwertsteuer berechnen, wenn ich Artikel auf Whatnot verkaufe?

Wenn du regelmäßig Waren über Whatnot verkaufst, musst du dich für die Mehrwertsteuer registrieren und deinen Käufer*innen die Mehrwertsteuer in Rechnung stellen.

Wenn du ein*e Verkäufer*in aus Großbritannien bist, musst du dich für die Mehrwertsteuer registrieren, wenn deine Umsätze in Großbritannien innerhalb eines Jahres 90.000 GBP erreichen oder wenn du erwartest, dass sie diesen Betrag im nächsten Monat überschreiten werden. Das gilt für alle deine Verkäufe, auch für Gebrauchtwaren. Unabhängig davon, ob du auf Whatnot oder einer anderen App oder Plattform verkaufst, werden alle Einnahmen auf das Limit von 90.000 GBP angerechnet. 

Dieses Limit kann sich ändern. Daher empfehlen wir dir, die Website der Regierung im Auge zu behalten oder dich mit deiner oder deinem Steuerberater*in in Verbindung zu setzen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Du solltest auch eine*n Steuerberater*in aufzusuchen, wenn du Hilfe dabei brauchst, herauszufinden, ob du dich registrieren und diese Steuer erheben musst.

Weitere Hinweise zur Mehrwertsteueranmeldung findest du ebenfalls auf der HMRC-Website.

Muss ich für Giveaways, die ich an Kund*innen versende, Mehrwertsteuer abführen?

Wenn du Produkte kostenlos verschenkst, musst du möglicherweise trotzdem Mehrwertsteuer zahlen. Wenn dazu nur Artikel von geringem Wert gehören (die für eine*n Kund*in im Jahr höchstens 50 £ kosten), dann musst du in der Regel keine Mehrwertsteuer auf diese Geschenke zahlen, selbst wenn du mehrwertsteuerpflichtig bist.

Wenn du Artikel verschenkst, empfiehlt es sich, mit deiner oder deinem Steuerberater*in Rücksprache zu halten, wie diese Vorschriften auf deine Situation anzuwenden sind.

Sollte ich die MwSt. auf die von Whatnot erhobenen Gebühren berücksichtigen?

Wenn du in Großbritannien mehrwertsteuerpflichtig bist, solltest du deine britische Umsatzsteuer-Identifikationsnummer über den hier beschriebenen Ablauf zu deinem Whatnot-Konto hinzufügen. In diesem Fall erhebt Whatnot keine Mehrwertsteuer auf die dir in Rechnung gestellten Gebühren. Stattdessen musst du die Mehrwertsteuer auf diese Gebühren über das sogenannte „Reverse-Charge“-Verfahren in deiner britischen Mehrwertsteuererklärung abrechnen. 

Diese „Reverse Charge“ bzw. „Umkehr der Steuerschuld“ bedeutet, dass du die britische Mehrwertsteuer auf die Gebühren, die Whatnot dir in Rechnung stellt, in deiner britischen Mehrwertsteuererklärung selbst angeben musst. Keine Sorge: Normalerweise musst du keine Steuer zahlen, weil die Mehrwertsteuer, die du auf deine Verkäufe aufschlägst (Ausgangssteuer), die Mehrwertsteuer, die du auf die Gebühren von Whatnot zahlst (Vorsteuer), in derselben Steuererklärung aufhebt. Das gilt, solange du keine mehrwertsteuerbefreiten Waren verkaufst (was wahrscheinlich nicht der Fall ist). Wenn du steuerbefreite Waren verkaufst, kann es sein, dass die Mehrwertsteuer, die du für die Gebühren von Whatnot ausweist, nicht in vollem Umfang erstattungsfähig ist. Du solltest Rücksprache mit deiner oder deinem Steuerberater*in vor Ort halten, um zu klären, ob du die Mehrwertsteuer im Rahmen des Reverse-Charge-Verfahrens vollständig abziehen kannst.

Um die „Reverse Charge“ bzw. „Umkehr der Steuerschuld“ in deiner britischen Mehrwertsteuererklärung anzugeben, musst du Folgendes tun:

  • Die britische Mehrwertsteuer, die Whatnot dir in Rechnung gestellt hat, in Feld 1 deiner Mehrwertsteuererklärung als Ausgangssteuer angeben
  • Diesen Mehrwertsteuerbetrag als Vorsteuer in Feld 4 deiner Mehrwertsteuererklärung eintragen
  • Trage den Gesamtbetrag der dir von Whatnot in Rechnung gestellten Gebühren als fiktive Lieferung in Feld 6 deiner Umsatzsteuererklärung ein; und
  • Den gleichen Betrag als Anschaffungswert in Feld 7 deiner Mehrwertsteuererklärung hinzufügen

Weitere Informationen findest du auf dieser Webseite der HMRC.

Ich bin mehrwertsteuerpflichtig. Wie berechne ich die Mehrwertsteuer, die ich von britischen Käufer*innen erheben muss?

Die Mehrwertsteuersätze in Großbritannien bleiben nicht immer gleich und können sich gelegentlich ändern. Wenn du deinen Käufer*innen Mehrwertsteuer in Rechnung stellen musst, solltest du ab und zu bei der HMRC nachfragen, ob du den richtigen Betrag berechnest.

In Großbritannien beträgt der reguläre Mehrwertsteuersatz für den Verkauf von Produkten 20 %, jedoch wird auf einige Artikel, wie zum Beispiel (Comic-)Bücher und Lebensmittel ein niedrigerer Satz von 5 % oder 0 % erhoben. Welche Vorschriften und Sätze für ein Produkt gelten, hängt wirklich davon ab, um welche Art von Produkt es sich handelt.

Es gibt auch Sonderregelungen für Personen, die Gebrauchtwaren verkaufen, sowie für Kleinunternehmen.  Damit kannst du etwas Geld bei der Mehrwertsteuer sparen.  Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten, wie du die Mehrwertsteuer für deinen Shop einfacher im Blick behalten kannst. Sieh dir dafür die unten aufgeführten Alternativen an. Du kannst dich auch an deine*n Steuerberater*in wenden, um diese Sonderregelungen zu besprechen, wenn du denkst, dass sie für dich geeignet sein könnten.

Wenn du Nutzer*innnen auf der Whatnot-Plattform kostenlos Waren zur Verfügung stellst (zum Beispiel als Giveaway), musst du möglicherweise die Mehrwertsteuer in deiner Mehrwertsteuererklärung über den Preis, den du für den Kauf dieses Produkts gezahlt hast, angeben. 

Ich bin mehrwertsteuerpflichtig. Wie erhebe ich Mehrwertsteuer von britischen Käufer*innen?

Wenn du für die britische Mehrwertsteuer registriert bist, musst du die Mehrwertsteuer von britischen Käufer*innen einziehen. Anschließend musst du diese Mehrwertsteuer in deiner Mehrwertsteuererklärung an die Regierung melden und abführen, in der Regel jeden Monat. 

Wenn du mehrwertsteuerpflichtig bist, muss der angegebene Preis die Mehrwertsteuer bereits enthalten. Stell dir das wie den Endpreis vor, bei dem schon alles eingerechnet ist. Manchmal sind dazu auch Unterlagen erforderlich, wie Belege oder Rechnungen, auf denen alle Mehrwertsteuerangaben detailliert aufgeführt sind. Normalerweise musst du nur dann eine Rechnung ausstellen, wenn ein Unternehmen bei dir kauft, nicht jedoch Privatpersonen. Für Privatpersonen sind der Lieferschein und der Beleg von Whatnot in der Regel ausreichend.

Wenn du eine Rechnung ausstellst, musst du gemäß den gesetzlichen Bestimmungen bestimmte Angaben auf der Rechnung machen. Dazu gehören beispielsweise die vollständige Daten von dir und deinen Kund*innen, die Umsatzsteuer-Identifikationsnummern und das Datum. Vergessen solltest du außerdem nicht, die Mehrwertsteuersätze und -beträge anzugeben. Wenn das kompliziert klingt, keine Sorge. Frag einfach eine*n Expert*in vor Ort, um sicherzugehen, dass du auf dem richtigen Weg bist. Weitere Informationen findest du hier.

Du bist verpflichtet, diese Mehrwertsteuer an die britische Steuerbehörde HMRC zu entrichten. Dafür musst du eine Mehrwertsteuererklärung einreichen.  In dieser Erklärung wird im Grund angegeben, wie viel Mehrwertsteuer du aus deinen Verkäufen eingenommen hast und wie viel Mehrwertsteuer für dein Unternehmen angefallen ist. Du zahlst nur die Differenz (erhobene Mehrwertsteuer – gezahlte Mehrwertsteuer).  So zahlst du beispielsweise Mehrwertsteuer für Versandmaterialien, die du für dein Unternehmen kaufst. Je nach der Höhe deiner Umsätze, kann die Mehrwertsteuererklärung monatlich, vierteljährlich oder jährlich erfolgen. Grundsätzlich gilt: Je mehr du verkaufst, desto häufiger musst du der HMRC die Mehrwertsteuer melden.

Um deine Mehrwertsteuererklärung vorzubereiten, kannst du deine Bestellhistorie herunterladen, indem du den hier beschriebenen Schritten folgst.

Du füllst deine Steuererklärung online über ein spezielles HMRC-Konto und eine zugelassene Software aus. Weitere Informationen zur Einrichtung dieses Kontos findest du hier. Die Zahlungsfrist beträgt in der Regel 1 Monat und 7 Tage nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums. Die HMRC wird dir ihre Bankverbindung mitteilen, damit du die Mehrwertsteuerzahlung überweisen kannst.

Informationen darüber, wie du auf deine Daten zur Erstellung deiner Mehrwertsteuererklärung zugreifen kannst, findest du hier.

Außerdem musst du genaue Aufzeichnungen über deine Umsätze und Betriebsausgaben führen, in der Regel in digitaler Form. Stell dir das wie eine Papierablage vor, die sich jedoch auf deinem Computer befindet. Sofern du keine Sondergenehmigung erhältst, führt kein Weg an der digitalen Aufzeichnungspflicht für die Mehrwertsteuer vorbei. Das mag zunächst kompliziert klingen, aber es gibt jede Menge hilfreiche Informationen, die dir das Ganze erleichtern.

Weitere Hinweise zur Abgabe von Steuererklärungen findest du hier auf der Website der britischen Steuerbehörde HMRC. 

ALTERNATIVE OPTIONEN 

Margenregelung für Gebrauchtwaren

Die Margenregelung stellt eine spezielle Methode zur Zahlung der Mehrwertsteuer in Großbritannien für Wiederverkäufer*innen dar. Im Grunde zahlst du nur die Mehrwertsteuer auf den Gewinn, den du beim Verkauf erzielst, nicht auf den gesamten Preis. Aber die Sache hat einen Haken: Du kannst diese Regelung nur nutzen, wenn du als Wiederverkäufer*in bestimmte gebrauchte Waren erwirbst und verkaufst, beispielsweise von Privatpersonen oder kleinen Unternehmen, die keine Mehrwertsteuer erheben. Du kaufst also Waren ohne Mehrwertsteuer und verkaufst sie anschließend mit Mehrwertsteuer, die dann auf deinen Gewinn und nicht auf den Verkaufspreis aufgeschlagen wird.

Hier ist die Aufschlüsselung:

  • Du zahlst Mehrwertsteuer auf die Differenz zwischen dem Preis, zu dem du den Artikel gekauft hast, und dem Preis, zu dem du ihn verkaufst.
  • Die Mehrwertsteuer beträgt pauschal 16,67 %.

Wichtig: Dieses System funktioniert nicht, wenn du etwas kaufst, für das dir bereits Mehrwertsteuer berechnet wurde.

Mit der Margenregelung kannst du aber normalerweise keine Mehrwertsteuer zurückfordern, die du für gekaufte Waren gezahlt hast (und dein*e Kund*in auch nicht).

Für dieses System ist keine spezielle Anmeldung erforderlich. Du musst aber für jeden Artikel, den du im Rahmen dieses Systems verkaufst, zusätzliche Aufzeichnungen führen. Dazu gehören alle Belege (Rechnungen) sowohl für den Kauf als auch für den Verkauf von Waren. Es gibt auch bestimmte Informationen, die du auf deinen Rechnungen angeben musst, wenn du das System nutzt.

Für welche Art von Produkten du dieses System verwenden kannst, hängt davon ab, ob du in Großbritannien oder Nordirland kaufst und verkaufst.

Du bist nicht sicher, ob das auf dich zutrifft? Am besten lässt du dich von einer oder einem Expert*in vor Ort beraten, ob die Margenregelung für dein Unternehmen sinnvoll ist. Weitere Informationen findest du auch hier: VAT margin schemes: Overview – GOV.UK (www.gov.uk)

Pauschalregelung

Die Pauschalregelung könnte für dich in Frage kommen, wenn du mehrwertsteuerpflichtig bist, weniger als 150.000 GBP im Jahr verkaufst (ohne Mehrwertsteuer) und einige andere Kriterien erfüllst. Das vereinfacht es erheblich, Aufzeichnungen für Mehrwertsteuerzwecke zu führen. Anstelle die üblichen Berechnungen vornehmen zu müssen, zahlst du lediglich einen pauschalen Prozentsatz auf deinen Gesamtumsatz, um deine Mehrwertsteuerschuld zu ermitteln.

Es gibt allerdings einen Haken: Du kannst die Pauschalregelung und die Margenregelung für gebrauchte Waren nicht gleichzeitig nutzen. Außerdem hängt der von dir zu zahlende Pauschalbetrag davon ab, was du verkaufst. Je nach der Art der verkauften Waren liegt der Satz zwischen 4 % und 16,5 %. Bei Interesse musst du dich bei der HMRC registrieren.

Weitere Informationen findest du hier: VAT Flat Rate Scheme : Work out your flat rate – GOV.UK (www.gov.uk) und hier: Flat Rate Scheme for small businesses (VAT Notice 733) – GOV.UK (www.gov.uk).

VERKAUF AN KUND*INNEN IN NORDIRLAND

Welche Mehrwertsteuervorschriften gelten, wenn ich an Kund*innen in Nordirland verkaufe?

Da Nordirland in Bezug auf die Mehrwertsteuer wie ein EU-Land behandelt wird, ist der Verkauf an nordirische Käufer*innen als Export einzustufen. Und ein Export ist eigentlich steuerfrei. Aber es gibt einen Haken: Wenn das Produkt in Nordirland ankommt, wird den Käufer*innen die britische Einfuhrumsatzsteuer berechnet. Rein formal erfordern Verkäufe an nordirische Käufer*innen eine Mehrwertsteuerrechnung, unabhängig davon, wer dein*e Kund*in ist. Diese Mehrwertsteuer musst du dann in deiner britischen Mehrwertsteuererklärung als normale Mehrwertsteuer angeben. 

VERKAUF AN KUND*INNEN AUSSERHALB GROSSBRITANNIENS

Welche Mehrwertsteuervorschriften gelten, wenn ich an Kund*innen außerhalb Großbritanniens verkaufe?

Du verkaufst Produkte außerhalb Großbritanniens? Da es sich um einen Export handelt, musst du dir keine Gedanken über die britische Mehrwertsteuer auf diesen Verkauf machen. Es ist nicht nötig, Mehrwertsteuer darauf zu erheben. Vergiss nur nicht, diesen Verkauf in deiner britischen Mehrwertsteuererklärung als Export auszuweisen. 

EINKOMMENSSTEUER, SOZIALVERSICHERUNGSBEITRÄGE UND KAPITALERTRAGSTEUER 

Wenn du in Großbritannien Einkommen erzielst, musst du wahrscheinlich Steuern auf dieses Einkommen an die britische Steuerbehörde HMRC entrichten. Wenn du Waren zum Weiterverkauf erwirbst oder Waren mit der Absicht herstellst, diese zu verkaufen (anstatt beispielsweise nur einige unerwünschte Gegenstände loszuwerden, die bei dir zu Hause herumliegen), dann wird dies wahrscheinlich als Handel angesehen, was bedeutet, dass du Einkommensteuer auf deine Gewinne zahlen musst. Weitere Informationen darüber, was als Handel gilt, findest du hier.

Whatnot und andere Plattformen sind möglicherweise verpflichtet, die von dir online erzielten Einkünfte an die Steuerbehörden zu melden. Das ändert zwar nichts an deiner Situation, macht es aber umso wichtiger, dass du die Vorschriften einhältst.

Du musst möglicherweise auch Sozialversicherungsbeiträge der Klasse 4 entrichten, wenn dein Einkommen eine bestimmte Grenze überschreitet. Weitere Informationen zu den Sozialversicherungsbeiträgen finden du hier.

Angenommen, du gilt als Handelstreibende*r: Dann findest du im Folgenden einen kurzen Überblick über die Steuern, die anfallen können, einige Informationen darüber, wie diese Steuern an die HMRC gezahlt werden können und wo du weitere Informationen darüber findest.

Das Steuerjahr in Großbritannien beginnt am 6. April und endet am 5. April (z. B. 6. April 2025 bis 5. April 2026). 

Die allgemeine Frist für die Einreichung einer Online-Steuererklärung und die Zahlung der britischen Einkommensteuer für das Steuerjahr 2024/2025 ist der 31. Januar 2026, für das Steuerjahr 2025/2026 der 31. Januar 2027. 

Was sind die Kontaktdaten der britischen Steuerbehörde?

HMRC-Website: Income Tax: general enquiries - GOV.UK (www.gov.uk) 

Wie hoch sind die britischen Einkommensteuersätze?

Die britische Einkommensteuer wird auf dein Gesamteinkommen eines Jahres erhoben, einschließlich der Gewinne, die du durch den Verkauf von Waren über Websites oder Apps wie Whatnot erzielst.  Sowohl für das Steuerjahr 2024/2025 als auch für das Steuerjahr 2025/2026 gelten die folgenden Einkommensteuersätze in Großbritannien: 

  • Es besteht ein Steuerfreibetrag für die ersten 12.570 GBP des Einkommens. 
  • Der „Grundsteuersatz“ von 20 % wird auf Einkommen zwischen 0 GBP und 37.700 GBP erhoben. Personen mit dem Standardfreibetrag zahlen diesen Steuersatz ab einem Einkommen von über 12.570 GBP (bis zu 50.270 GBP). 
  • Der „höhere Steuersatz“ von 40 % wird auf Einkommen zwischen 37.701 GBP und 125.140 GBP erhoben. Personen mit dem Standardfreibetrag zahlen diesen Steuersatz ab einem Einkommen von über 50.270 GBP (bis zu 125.140 GBP). 
  • Der „zusätzliche Steuersatz” von 45 % gilt für Einkommen über 125.140 GBP. 

Wenn du ein*e Spitzenverdiener*in mit einem Einkommen von mehr als 100.000 GBP bist, verringert sich dieser Freibetrag. Für jede 2 GBP, die du über 100.000 GBP hinaus verdienst, wird dein Freibetrag um 1 GBP reduziert. Bei einem Einkommen von 125.140 GBP und mehr besteht kein Freibetrag mehr.  Ein Link zur Regierungsseite dazu findest du hier

Wenn du in Schottland oder Wales lebst, beachte bitte, dass möglicherweise andere Steuersätze gelten. Weitere Informationen zu schottischen Steuerzahlenden findest du hier und zu den walisischen Steuerzahlenden hier. Für walisische Steuerzahlende gelten derzeit die gleichen Einkommensteuersätze wie für englische und nordirische Steuerzahlende, wie oben beschrieben.  

Es gibt einen speziellen Freibetrag von 1.000 GBP für Handelstreibende, was bedeutet, dass du keine Einkommensteuererklärung einreichen oder Einkommensteuer zahlen musst, wenn dein Handelseinkommen 1.000 Einkommensteuer nicht übersteigt (es kann jedoch bestimmte Umstände geben, unter denen du dennoch eine Steuererklärung abgeben musst). Einen Link zur Regierungsseite dazu findest du hier

Auch wenn deine Tätigkeit nicht als Handel angesehen wird, musst du möglicherweise Kapitalertragsteuer zahlen. Dabei handelt es sich um eine Steuer auf den Gewinn oder Ertrag, den du erzielst, wenn du etwas verkaufst. Bestimmte Arten von Produkten können davon befreit sein – zum Beispiel bestimmte Gegenstände, deren Wert jeweils unter 6.000 GBP liegt oder die eine Lebensdauer von unter 50 Jahren haben. Weitere Informationen dazu findest du hier: HMRC guidance.

Es ist der Gewinn, den du erzielst – nicht der Geldbetrag, den du für das Produkt erhältst –, der besteuert wird. Die ersten 3.000 GBP deiner Gewinne in einem Jahr sind steuerfrei (sowohl für das Steuerjahr 2024/2025 als auch für das Steuerjahr 2025/2026). Jeder steuerpflichtige Gewinn wird mit einem Steuersatz von bis zu 20 % (24 % ab dem 30. Oktober 2024) besteuert. Für Steuerzahlende, die dem Grundsteuersatz unterliegen, kann jedoch unter Umständen ein Steuersatz von 10 % (18 % ab dem 30. Oktober 2024) gelten. Diese Steuersätze setzen voraus, dass keiner deiner Gewinne mit Wohnimmobilien in Großbritannien in Zusammenhang steht. Weitere Informationen zu deinen Kapitalertragsteuerpflichten als Nicht-Handelstreibende*r findest du hier.

Wie melde ich Steuern in Großbritannien?

Die britische Einkommensteuererklärung sollte online über die Website der HMRC eingereicht werden (den Link zur Website der HMRC findest du hier). In bestimmten Fällen kann weiterhin eine Steuererklärung in Papierform ausgefüllt werden, die bis zum 31. Oktober an die zuständige Behörde gesendet werden muss. Die Kontaktdaten der für dich zuständigen Behörde findest du auf der Website der HMRC. Für komplexe Steuererklärungen benötigst du möglicherweise spezielle Software oder du musst eine*n Steuerberater*in beauftragen. 

In einigen Fällen können Gewinne außerhalb einer formellen Steuererklärung angegeben werden. Weitere Informationen dazu findest du hier: HMRC guidance

Bis wann muss ich meine Steuererklärung einreichen?

Wenn du deine Steuererklärung online einreichst, ist die Abgabefrist der 31. Januar des Jahres, das auf das Steuerjahr folgt. Nochmal zur Erinnerung: Das Steuerjahr läuft vom 6. April 2025 bis zum 5. April 2026. Die Steuererklärung ist bis zum 31. Januar 2027 einzureichen.

Wenn du zum ersten Mal Handelseinkünfte erzielst und normalerweise keine Steuererklärung abgibst, musst du dich bei der HMRC zur Selbstveranlagung anmelden. Der Antrag hierfür muss vor dem 5. Oktober nach Ablauf des Steuerjahres gestellt werden, in dem du erstmals Handelseinkünfte erzielst. 

Bis wann muss ich die Steuer zahlen?

Wenn du steuerpflichtig bist, ist die Zahlung bis zum 31. Januar des Jahres fällig, das auf das Steuerjahr folgt. So musst du die Zahlung für den Zeitraum vom 6. April 2025 bis 5. April 2026 beispielsweise bis zum 31. Januar 2027 leisten. Diese Zahlungsfrist gilt sowohl für online eingereichte Steuererklärungen als auch für Steuererklärungen in Papierform.

Wenn deine gesamte Steuerschuld im Vorjahr mehr als 1.000 GBP betrug und die HMRC weniger als 80 % der gesamten Steuerschuld an der Quelle einbehalten hat (z. B. die einbehaltene Steuer auf dein Arbeitseinkommen), kann die HMRC auch eine Vorauszahlung (von der HMRC als „payments on account” bezeichnet) für das folgende Jahr verlangen. Solche Zahlungen sind am 31. Januar des betreffenden Steuerjahres und am 31. Juli nach Ablauf des betreffenden Steuerjahres fällig. Wenn du Vorauszahlungen geleistet hast, wird deine endgültige Steuerzahlung für dieses Jahr um die bereits geleisteten Zahlungen reduziert. Dies kann in manchen Fällen sogar zu einer Rückerstattung führen. 

Wie berechne ich den steuerpflichtigen Gewinn?

Du zahlst Einkommensteuer auf deinen Gewinn, nicht auf deinen Umsatz. Von deinem Gesamtumsatz kannst du die Betriebsausgaben und Anschaffungskosten abziehen. So kannst du beispielsweise die Kosten für Produkte geltend machen, die du weiterverkaufst, aber nicht die Kosten für Produkte, die du privat nutzt. Der nach dieser Berechnung verbleibende Betrag ist dein Gewinn. Zu den Ausgaben, die du möglicherweise absetzen kannst, gehören zum Beispiel auch die Kosten für Verpackungsmaterialien und die Gebühren von Whatnot. Weitere Informationen zu den abzugsfähigen Kosten findest du hier.

Alle deine Handelsumsätze (unabhängig davon, ob du sie online oder auf andere Weise erzielt hast) müssen in deinem Gesamtumsatz enthalten sein. Denke auch daran, Verkäufe an Freunde und Familie anzugeben und vergiss nicht, Barverkäufe einzubeziehen, wenn du auch außerhalb der Whatnot-Plattform verkaufst. 

Welche Einkommensteuerpflichten habe ich in Großbritannien für ausländische Einkünfte?

Als Steuerpflichtige*r mit Wohnsitz in Großbritannien bist du in der Regel verpflichtet, dein weltweites Einkommen in deiner britischen Steuererklärung anzugeben. Wenn du auf dasselbe Einkommen auch in einem anderen Land Steuern zahlst (was der Fall sein kann, wenn dieses Land und Großbritannien dich als ihre*n Steuerinländer*in betrachten), kannst du möglicherweise das Steuerabkommen zwischen Großbritannien und diesem Land in Anspruch nehmen, um eine Ermäßigung zu erhalten. Dadurch wird sichergestellt, dass auf dasselbe Einkommen nicht zweimal Steuern gezahlt werden.

Wenn du nicht in Großbritannien lebst, sind Einkünfte aus dem Ausland in der Regel in Großbritannien nicht steuer- oder meldepflichtig, werden aber wahrscheinlich im Land deines Wohnsitzes besteuert. Dies ist jedoch ein schwieriges Thema, und du solltest mit deiner oder deinem Steuerberater*in über deine Steuerpflichten in Großbritannien und deinem Wohnsitzland Rücksprache halten.

Welche Aufzeichnungen muss ich führen?

Es ist äußerst wichtig, von Anfang an genaue Aufzeichnungen über alle Einnahmen und Ausgaben zu führen. Weitere Informationen dazu findest du hier.